Der Verlust eines nahen Menschen, ist immer mit vielen schmerzhaften Emotionen verbunden. Oftmals plagen Ängste, Erinnerungen und Zweifel bis hin zu Selbstvorwürfen die Betroffenen. Doch der Trauerprozess läuft nach einem bestimmten Schema ab. Zur Orientierung und Hilfestellung stellen wir Ihnen hier die Trauerphasen nach der Sterbeforscherin Kübler-Ross vor.
1. Phase: Nicht-wahr-haben-wollen
Merkmale: Diese Phase ist vor allem dadurch gekennzeichnet, den Tod eines Nahestehenden zu verleugnen. Betroffene haben das Gefühl zu träumen. Gefühle großer Ohnmacht kennzeichnen diesen Zustand, was sich durch Starre und Empfindungslosigkeit ausdrückt. Die Realitätsflucht wird für die Betroffenen der einzig mögliche Ausweg. Eine direkte Konfrontation mit dem Tod ist in dieser Phase noch nicht möglich.
Diese Phase kann je nach Fall und indiviueller Persönlichkeit stark variieren und eine Zeitpsanne von Tage oder Wochen bis hin zu Monaten umfassen.
Hilfe:
- Wichtig ist, dem Betroffenen gerade in dieser Zeit ein Gefühl von Wärme und Nähe zu vermitteln. Oftmals kann es nützlich sein, mit dem Betroffenen zu reden, damit er schneller wieder in die Realität findet.
- Die Aufbahrung und Verabschiedung vom Leichnahm, Beerdigung (offenes Grab) machen den Verlust in der Realität erlebbar.
- Wenn der Betroffene über seine Emotionen reden kann, ist ein erster wichtiger Schritt getan.
2. Phase: Aufbrechen chaotischer Emotionen
In dieser Phase spürt der Trauernde schließlich seine Gefühle. Dabei überfluten ihn die verschiedensten Emotionen förmlich. Wut, Zorn, manchmal auch (Selbst)Hass, Schmerz, Schuldgefühlen und Ängste, sowie die Suche nach Schuldigen (muss keine reale Person sein, sondern kann auch Gott, das Schicksal oder das Universum/Leben im allgemeinen sein) sind typisch für diese Phase.
Hilfe:
- In dieser Phasen ist es wichtig, dass der Betroffene seine Gefühe so vielseitig wie möglich ausdrückt. Aggressionen oder Wut können durch Sport oder das Boxen gegen ein Sack kanalisiert werden. Auch Malen oder Musik können helfen, Emotionen zu erleben und zu durchleben.
- Kommt es zu Blockaden, wie Flucht, extremer Überaktivität oder Idealisierung des Toten, sind dies Hinweise auf problematische Reaktionen. (Können nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden).
3. Phase: Suchen, Sich-finden und Sich-trennen
In der Erinnerung wird das gemeinsame Leben mit dem Verstorbenen noch einmal durchlebt. Allmählich unternimmt der Hinterbliebene erste Schritte in eine Welt, in der der Verstorbene nicht mehr vorhanden ist. Am Ende dieser Phase akzeptiert der Betroffene den Verlust.
Hilfe:
- Sich kümmern, gemeinsame Freizeitgestaltung, gerade in sensiblen Phasen
- den Betroffen nicht in eine bestimmte Richtung drängen, sondern diesem die notwendige Zeit und den Raum für wichtige Etappen im Rahmen des Loslassens-Prozesses zugestehen
- Kennzeichnend ist hier eine Zeit der Erinnerung und eines damit verbundenen Abschied nehmen, manchmal auch einem natürlichen Bedürfnis nach Einsamkeit und Ruhe. Wir sollten dem Betroffenen Zeit einräumen, um sich zurückzuziehen oder raus in die Natur zu gehen, um mit der Stille in Kontakt zu kommen.
4. Phase: Das finden eines neuen Welt - und Selbstbezuges
In dieser Phase geht es letzlich um den finalen Schritt des Loslösens. Das heißt, die Trauer wurde verarbeitet, der Tod des Nahestehenden akzeptiert. Nach dem der Betroffene sich innerlich verabschiedet hat, ist der Loslassens-Prozess beendet. Nun kann der Betroffene sich wieder auf seine Umwelt fokussieren und sich innerlich auf neue Bindungen und Menschen einlassen.
Hilfe:
- Manchmal kann es sinnvoll sein, dem Betroffenen zu helfen, neuen Anschluss an die Umwelt zu knüpfen. (z. B. durch den Aufbau eines neuen Bekanntenkreises, neuen Freundschaften oder Aktivitäten).
- Meist erwachsen die Trauernden aus dieser Phase mit einem gestärkten Selbstvertrauen und neuer Selbstachtung. Es ist daher wichtig, den Betroffenen ihre neu gwonnene Autonomie zuzugestehen und ihnen die Freiheit für einen Neuanfang einzuräumen.
- Wendet sich der Hinterbliebene im Rahmen des Trauerprozesses von der Liebe, den Lebenden und dem Leben selbst ab, deutet dies auf eine negative Form der Trauerbewältigung hin. Hier ist es wichtig, dem Trauernden klarzumachen, dass ein solcher Weg unfrei macht und einer Selbstbestrafung gleich kommt. Es gibt immer die Wahl den Trauerprozess in Frieden und Liebe abzuschließen oder eine entfremdete und selbstzerstörerischen Haltung einzunehmen.
Allgemeiner Hinweis:
Trauern braucht Zeit und kann sich über Jahre hinziehen. So individuell wie jeder Mensch, ist dabei auch die Form der Trauerbewältigung. Die Phasen verlaufen nicht linear und es kann immer wieder zu Schwankungen und Rückfällen kommen. Ob ein Trauerprozess krankhaft wird, sollte nicht zu vorschnell beurteilt werden. Da es von der Dauer und Intensität bestimmter Verhaltensstrukturen ( z.B. Realitätstflucht, Süchte, Überaktivität, Isolierung) abhängig ist. Bei extremen Auffälligkeiten sollte man sich bei Experten Rat suchen.
Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Trauerbewältigung gemacht? Haben Sie selbst schon einmal eine solche Entwicklung durchlebt? Oder haben Sie einen Trauerprozess schon einmal bei Freunden, nahen Verwandten oder einem Partner miterlebt? Haben Sie vielleicht Ideen, Anregungen oder Tipps zum Thema Trauerbewältigung? Diskutieren Sie mit uns in unserem Forum und tauschen Sie sich untereinander über Ihre Erfahrungen aus.









