Warum Trauernde Aufmerksamkeit brauchen

Tipps für den Umgang mit Trauernden

Warum Trauernde Aufmerksamkeit brauchen

Wer einen geliebten Menschen verloren hat, macht es seinen Mitmenschen nicht leicht: Der Trauernde verlangt etwas zurück, das auf Erden nicht mehr zu haben sein wird, und die Mitmenschen können es – bei aller Liebe - nicht herbeizaubern. Aber helfen können sie, die schwere Zeit der Trauer gemeinsam durchzustehen.

Wer noch nie den Verlust eines ihm nahestehenden, geliebten Menschen zu verwinden hatte, macht sich kaum eine Vorstellung davon, mit welcher Wucht so ein Ereignis die Seele eines Hinterbliebenen durcheinanderwirbeln und wie viele Jahre so ein Trauerprozess dauern kann. Der Trauernde steht vor der sehr schmerzhaften und sehr persönlichen Aufgabe, Abschied zu nehmen und aufrichtig jemanden loszulassen, den er um alles in der Welt nicht loslassen wollte. Das ist mit der Beisetzung alles andere als erledigt. Er muss sich in einer Zukunft zurechtfinden, die er sich anders vorgestellt hat. Ungefragt und unfreiwillig ist er gezwungen, sich mit dem Verstorbenen auseinanderzusetzen, ohne mit ihm jemals wieder sprechen zu können. Er steht vor der schweren Aufgabe, das Bild des geliebten Menschen, das er in sich trägt, so zu verwandeln, dass es ihn auf seinem weiteren Lebensweg begleiten kann, ohne ihn zu behindern. Angehörige können dabei helfen.

Sie können Zeit schenken

Trauer macht einsam, und trauern ist ein einsamer, sehr persönlicher Prozess, den man ausleben sollte, weil jede Verdrängung und Unterdrückung die Seele krankmachen kann. Er braucht im Prinzip „nur“ Zeit und Ruhe, und nichts anderes braucht also ein trauernder Mensch. Zugegeben: Das ist in einer hektisch gewordenen, oberflächlichen und auf schnellen Spaß ausgerichteten Umwelt schwer zu haben. Ruhe und Zeit aber können Sie dem Trauernden geben. Halten Sie Störungen von ihm fern, nehmen Sie ihm den Alltagskram ab, kaufen Sie z.B. für ihn ein. Bieten Sie Ihre Dienste diskret an, seien Sie wachsam für das, was gerade anliegt. Erwarten Sie keinen Dank.

Sie können zuhören

Ihr Leben mag weitergehen – aber nicht das des Trauernden, jedenfalls nicht so, wie er es sich vorgestellt hat. Er möchte reden. Er möchte vom Verstorbenen erzählen, den ganzen Tag. Dafür braucht er jemandem, der ihm zuhört. Das können Sie sein. Verabreden Sie feste Zeiten für einen Besuch und hören Sie aufmerksam zu. Ertragen Sie die oft widersprüchlichen, auch ungerechten Gefühlsausbrüche des Trauernden. Versuchen Sie nicht, diese zu steuern oder gar zu unterdrücken. Fragen Sie lieber vorsichtig nach. Damit helfen Sie dem Trauernden, die Beziehung zum Verstorbenen aufzuarbeiten – auch noch lange nach der Beisetzung. Das bringt ihm mehr als jede noch so nett gemeinte „Ablenkung“.

Sie können erzählen

Tragen Sie bei, was Sie vom Verstorbenen wissen. Erzählen Sie die kleinen, nebensächlichen Anekdoten, über die man auch lachen kann. Nichts ist unwichtig in dieser Phase von ganz außergewöhnlicher Lebendigkeit, wie es die Trauerzeit sein kann.

Sie können bei der Grabpflege helfen

Betroffene berichten übereinstimmend, dass die Pflege des Grabes für ihren persönlichen Trauerprozess enorm wichtig war. Sie können Trauernde ermutigen, von einer anonymen Beisetzung – auch wenn sie vom Verstorbenen gewünscht war – abzusehen und ein Grab anlegen zu lassen, sofern die Hinterbliebenen dazu in der Lage sind. Das Gefühl, etwas tun zu können für den Verstorbenen, und sei es, seine Lieblingsblumen auf die Grabstelle zu legen, kann schon unermesslich hilfreich sein. Sie können sich anbieten, die Fahrten zur Gärtnerei zu übernehmen oder schwere Pflanzkästen zum Grab zu tragen – oder einfach den Trauernden, wenn er dies wünscht, regelmäßig zum Friedhof begleiten.

Machen Sie dem Trauernden keine Vorwürfe

Trauer kann unhöflich machen und böse. Trauer schärft dem Betroffenen den Blick für das, was wirklich zählt im Leben – und was nicht. Als Mitmensch beschäftigen Sie sich aus Sicht des Trauernden offenbar nur mit Dingen, die nicht zählen. Für Sie geht das Leben längst weiter – und der Trauernde kommt und kommt scheinbar nicht voran. Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit dem dauernden Geheule! Andere gehen in der Situation längst wieder zum Skatabend!
Es ist keine Wunder, wenn Sie bei aller Geduld auch einmal ärgerlich werden, am Ende dem Trauernden selber „die Schuld“ geben an seinem Zustand. Als hätte der Trauernde nicht genug mit dem Verlust zu tun!
Unterlassen Sie daher jeden Vorwurf. Jeder Mensch trauert anders und hat ein Recht darauf, seinen Prozess so zu erleben, wie er für ihn richtig ist und er am Ende wirklich loslassen kann.

Sie sind der Trost

Zeit schenken, Alltagsdinge abnehmen, zuhören, erzählen, auf den Friedhof mitkommen – das können Sie tun. Seien Sie nachsichtig. Damit helfen Sie dem Trauernden. Und er wird es Ihnen beizeiten danken.