Bestattungsrituale heute

Was sich bei Beerdigungen ändert

Bestattungsrituale heute

Die Umwälzungen in unserer Gesellschaft machen auch vor der „letzten Station“ nicht halt. Die Rituale des Abschiedes von Verstorbenen ändern sich.

Die Beisetzung eines geliebten Menschen ist für die Hinterbliebenen ein wichtiges Ereignis, weil Familie und Freunde zusammenkommen, um gemeinsam des Toten zu gedenken und ihn zum offenen Grab zu begleiten, wo „endgültig“ Abschied genommen werden kann. Dieses Ritual ist von großer Bedeutung für alle, die mit dem Tod weiterleben und in ihrem Leben weitergehen müssen.

Bestattungsrituale: Schwindender kirchlicher Einfluss

Während der kirchliche Beistand auf diesem letzten Weg noch vor wenigen Jahrzehnten als selbstverständlich galt, sind es heute nur noch 70 % aller Beerdigungen, die von einem Geistlichen vorgenommen werden. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: Im Süden ist der Pfarrer am Grab praktisch nicht wegzudenken, im Osten hingegen stellt er die große Ausnahme dar.

Bestattungsrituale: Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • althergebrachte Traditionen, zu denen auch die Bestattungsrituale gehören, sind seit den siebziger Jahren als grundsätzlich fragwürdig in Verruf geraten;
  • durch Überalterung und ausbleibenden Nachwuchs stecken die Kirchengemeinden seit den Achtzigern unabhängig von der Konfession in einem Schrumpfprozess;
  • in den neuen Bundesländern hat die politisch motivierte Unterdrückung der Kirchen zu DDR-Zeiten zu einer gewohnheitsmäßig atheistischen Gesellschaft geführt.

Bestattungsrituale: Namenlos verscharrt …

Mit dem Verlust christlicher Auferstehungshoffnung und dem damit verbundenen Rückgang kirchlicher Beerdigungen finden anonyme Bestattungen ohne Feier, Kranz und Stein, ohne Abschied und Gedächtnisort immer mehr Verbreitung. Dies wird in vielen Fällen von der Gesellschaft nicht nur anerkannt, sondern ausdrücklich bejaht.

Bestattungsrituale: Hier sind drei Gründe wesentlich:

  • Die Überlegung, seinen Angehörigen mit der Grabpflege nicht „zur Last fallen“ zu wollen, etwa weil sie eine große räumliche Entfernung vom Friedhof trennt;
  • Die einfache Vergleichsrechnung, die eine anonyme Beisetzung als „günstiger“ ausweist;
  • Das durch die immer stärkere Vereinzelung der Gesellschaft zu beobachtende Ergebnis, dass viele Verstorbene keinerlei Angehörige zurücklassen.

Bestattungsrituale: Die Gemeinsamkeiten

Trotzdem sich „weltliche“ Trauerfeiern zum Teil scharf von „kirchlichen“ abgrenzen wollen, ähneln sich die Abläufe sehr:

Die Zusammenkunft der Familie und der Freunde des Verstorbenen wird mit einer Rede und mit Musik gestaltet. Die Reden spüren seinem Wesen noch einmal nach; das Musikstück, das sich auf den Verstorbenen persönlich bezieht, soll noch einmal an ihn erinnern. Es folgt der gemeinsame Gang der Trauergesellschaft zum Grab – und dort der symbolische dreimalige Erdwurf, den jeder der Versammelten vornimmt. Schließlich sprechen die Versammelten den engsten Angehörigen des Verstorbenen einzeln ihr Beileid aus.

Bestattungsrituale: Der Unterschied

Während die von einem Pfarrer begleitete Rede als Predigt im Gottesdienst gestaltet ist und mit christlicher Auferstehungshoffnung verbunden wird, ist ein freier Redner der humanistischen Tradition verpflichtet und kommt mit seiner Ethik – wenn so gewollt - ohne einen Gott aus.

Bestattungsrituale: Die Zukunft

Seit dem Aufkommen der AIDS-Krankheit, die seit den achtziger Jahren vielen Menschen weit „vor ihrer Zeit“ das Leben gekostet hat, ist ein teilweiser Wandel in der Bestattungskultur zu beobachten. Unterstützt von einem kreativen Umfeld halten auch „fröhliche“ Formen des Abschieds Einzug, wie z.B. das Steigenlassen von Luftballons am Grab, das Bemalen des Sarges, die Gestaltung der Trauerfeier als dem Leben und Werk des Verstorbenen gemäßes Happening. Fortschrittliche Bestatter haben viele dieser Ideen längst aufgegriffen und bieten sie behutsam den Angehörigen als einen Weg zur besseren Bewältigung ihrer Trauer an.

Bestattungsrituale: Moderne Alternativen

Kirchliche Bestattungen wird es geben, so lange es die Kirche gibt. Sie finden sogar zunehmend wieder auf besonderen Gräberfeldern statt, die von den Friedhöfen ausdrücklich für Angehörige christlicher Glaubensgemeinschaften vorgehalten werden. Andere Formen der Beisetzung und des Gedenkens werden weitere Anhänger und Verfechter finden. Die steigende Nachfrage nach einem Grab in einem Friedwald zeigt ebenso einen beispielhaften Gesinnungswandel wie das Angebot, die Asche eines Verstorbenen in einen Diamanten zu verwandeln oder mit einer Rakete zu den Sternen zu schießen.

Bestattungsrituale: Die Konsequenz

So originell und so teuer diese Wege auch sein mögen – sie ersetzen den Angehörigen nicht den Ort, den sie aufsuchen können, um das für ihre persönliche Trauerarbeit wichtige Gedenken an den Toten zu halten.

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