Rituale des Abschieds

Vergessene Bräuche des Abschieds für die erste Zeit „danach“ neu entdeckt

Rituale des Abschieds

Als der Tod noch viel unmittelbarer als heute seinen Platz unter den Lebenden hatte, kannte jeder die Bräuche, die „man tat“, um von einem geliebten Menschen Abschied zu nehmen. Die Wiederentdeckung kann helfen, die schwere Zeit der Trauer besser zu meistern.

Obwohl niemand gefragt wird, ob es ihm recht sei, von einem anderen Menschen oder von sich selbst Abschied zu nehmen, heißt es dennoch plötzlich, damit umzugehen und den Schmerz auszuhalten, den der Tod bringt.

Trost der Tradition

Die Industrialisierung und der medizinische Fortschritt haben mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen den Tod aus der Mitte des Lebens, in dem er früher ganz selbstverständlich gestanden hat, weitgehend verdrängt. Ganz selbstverständlich waren früher gewisse Handlungen und Rituale, die den Menschen Trost und Stütze gegeben haben und die von einer möglichst langen Nähe zum Verstorbenen geprägt waren. Der Mensch war in seinem Schmerz nicht alleingelassen, sondern aufgefangen von einer Tradition, die durch die Vereinzelung in der Gesellschaft unserer Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Trauer - wiederentdeckt

Auch wenn nicht geleugnet werden kann, dass viele der Handlungen an Aberglauben erinnern und heidnischen Ursprungs sein können, entband dieses ungeschriebene Gerüst von Handlungen die Angehörigen von der völligen Untätigkeit und Hilflosigkeit, in die der Tod die Menschen immer wieder stürzt. Sie können etwas tun!

Was Sie tun können, wenn der Tod eingetreten ist

  • Sie können das Fenster öffnen, damit „die Seele fortfliegen“ kann.
  • Sie können Uhren und Spiegel verhängen, denn angesichts des Todes verlieren Zeit und Eitelkeit ihre Bedeutung.
  • Sie können dem Bestatter beim Waschen des Toten helfen und die passende Kleidung auswählen und das Ankleiden des Toten übernehmen.
  • Sie können bis zu 36 Stunden lang den Toten im Sterbezimmer oder im Wohnzimmer Ihrer Wohnung aufbahren lassen, damit zum Beispiel Ihre Nachbarn Abschied nehmen können.
  • Sie können dabei die Totenwache halten und so dem Toten lange nahe sein.

Was Sie nach der Beisetzung tun können

Sie können zum opulenten Leichenschmaus bitten oder einfach bloß zum Kaffee einladen. Das gibt der Trauergesellschaft noch einmal Gelegenheit, sich zum Andenken an den Toten zu versammeln und von ihm zu erzählen. Dieses gemeinsame Mahl kann den nächsten Angehörigen Kraft geben, die Trauer besser zu bewältigen und den ersten schweren Schritt in ein Leben ohne den Verstorbenen zu wagen. Denn nicht nur der Körper ist nunmehr „gestärkt“, sondern auch die Seele.

Das Ritual muss stimmen

Selbstverständlich ist es Ihnen überlassen, eigene Rituale zu finden. Dabei hängt es ganz entscheidend davon ab, wie der geliebte Mensch zu Tode gekommen ist. Ein Unfall oder gar ein Selbstmord verlangt andere Formen als der Hingang eines betagten, lebenssatten Menschen. Die Rituale müssen sowohl zur Situation als auch zum Verstorbenen sowie zu den Angehörigen passen.

Der Leichenschmaus ist ein wichtiges Element der Trauerarbeit und steht an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod. Danach beginnt die lange Phase der Trauer, die mit eigenen Ritualen gestaltet werden kann. (Rituale der Trauer)

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