Jeder Trauernde will ernst genommen werden, darum helfen Vergleiche, was „besser“ ist, nicht weiter: Ob „lange angekündigt“ oder „plötzlich und unerwartet“ ist der Eintritt des Todes letztendlich unberechenbar – und immer schmerzhaft für die Hinterbliebenen - wie jüngst für die Familie Jörg Haiders.
Auf den Tod gibt es für nahe Angehörige praktisch keine Vorbereitung, wie der Unfall des österreichischen Politikers Jörg Haider wieder einmal tragisch bewiesen hat. Denn er tritt immer „plötzlich“ ein, auch wenn man sich im Verlauf einer schweren Krankheit noch so sehr darauf vorbereiten mag. Ein wie auch immer geartetes Verhalten, das Trauer vorwegnehmen soll, ist daher sinnlos. Nur der Tod selber ist in des Wortes wahrstem Sinn die „Stunde der Wahrheit“. Und er ist es umso mehr, je plötzlicher der Tod eintritt.
Außer Zweifel steht nämlich – professionelle Trauerbegleiter bestätigen diese Beobachtung –, dass ein unerwarteter Todesfall die Trauerarbeit verlängert und vertieft. Gerade weil er so „plötzlich“ über die Angehörigen und Freunde hereinbricht, weil er nicht eingebettet ist in eine „Geschichte“, die ihn erklärbar macht und somit leichter zu ertragen, entsteht oft ein Gefühl, das den Tod vermeidbar erscheinen lässt, wenn man nur „mehr getan“ hätte oder wenn alles „ganz anders“ gekommen wäre.
Trifft der Tod einen Säugling oder ein Kind, verstärken sich diese möglichen Reaktionen ebenso, wie es in der Folge eines Selbstmordes vorkommt. Auch Unfalltode lösen oft diese schweren krisenhaften Reaktionen aus.
Die Zeit ist das zentrale Thema der sehr persönlichen, sehr intimen Trauerarbeit eines Menschen. Weil der Tod so plötzlich geschehen ist und „keine Zeit“ ließ, sich mit ihm „anzufreunden“, braucht die anschließende Trauer um den Toten umso mehr Wochen, Monate, oft Jahre. Ein „schnelles Ende“ ist also nicht zu erwarten, und die Frage, ob „das“ irgendwann auch wieder aufhört, kann klar verneint werden. Die Trauer um einen Verlust hört nie mehr auf.
Der Trauerprozess vollzieht sich in spiralfömigen Bewegungen mit vielen Rück- und Fortschritten eher langsam, und er bleibt dabei ein Begleiter, der im idealen Fall „dazugehört“, weil sich das persönliche Verhältnis zum Toten gewandelt hat. Er wird Teil des eigenen Lebens, auch wenn er nicht mehr „da“ ist.
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