London, 6. September 1997 – der Tag an dem Prinzessin Diana begraben wird. Um kurz nach 13 Uhr beginnt der Trauergottesdienst im Westminster Abbey. Während der Feier lesen Angehörige und Freunde Verse oder persönliche Abschiedsworte vor. Dann wird aus Verdis Requiem gesungen. Danach setzt sich Elton John an das Klavier und stimmt seinen umgedichteten Song „Candle in the Wind“ an. Erst jetzt weinen die beiden Söhne Dianas William und Harry.
Während bei Dianas Gottesdienst noch Verdis Requiem gesungen wurde, verzichten heute viele Totenmessen auf jede kirchliche Musik und konzentrieren sich ganz auf den emotionalen Effekt klassischer und zeitgenössischer Popmusik. Dabei müssen die eingespielten Songs nicht einmal mehr Trauer ausdrücken. Von Abba und AC/DC bis hin zu DJ Ötzi wird alles aufgelegt, was der Verstorbene selbst oder die engsten Vertrauten ausgesucht haben. Vorausgesetzt, sie finden einen Geistlichen, der sein Okay gibt. Die Kirche überlässt diese Entscheidung ihren Pfarrern und Pastoren vor Ort.
Dass man bei Totenfeiern das Überleben der Anwesenden mit Musik feiert, ist nicht neu und in vielen Kulturen Normalität. Viele Menschen erinnern sich zu diesem Thema vielleicht an den James Bond Film „Leben und sterben lassen“. In dem Streifen gerät 007 in einen mörderischen Trauerumzug einer Brass Band aus New Orleans. Die Musik der Brass Bands ist wild und lebendig und es fließt schon während ihrer Umzüge viel Alkohol. In der westlichen Kultur hingegen kann man mit fröhlicher Musik zur Beerdigung noch mächtig schocken. Genau das wollen einige Verstorbene erreichen: ihr Abgang ins Reich der Toten soll kontrovers begleitet werden; vielleicht ist es der heimliche Wunsch ein letztes Mal unverwechselbar im Mittelpunkt zu stehen.
Der aufgebahrte Sarg als Konzert-Bühne? Die Meinungen der Menschen hierzulande sind dazu sehr unterschiedlich. Was finden Sie, darf auf einer Totenmesse egal welche Musik gespielt werden? Haben Sie vielleicht selbst schon Gedanken über ihren letzten Song auf Erden gemacht? Teilen Sie uns ihre Meinung mit!









