In Dessau ist nicht nur der Hund begraben, sondern bald die halbe Welt – wenn es nach den Schöpfern der „Großen Pyramide“ geht.
In einer Zeit, in der Bewegung in die Bestattungskultur kommt wie schon lange nicht mehr, hört sich die Idee des Architekten Rem Kohlhaas gar nicht so abwegig an: Er möchte eine Pyramide bauen, die weitaus größer werden soll als die in Ägypten. Bestehen soll sie nicht aus gewöhnlichen Ziegeln, sondern aus Beton-Hohlbausteinen, in denen innen eine Urne mit der Asche eines Menschen bestattet ist. Jeder kann sich heute schon unverbindlich einen Platz reservieren lassen, über 1600 Menschen haben es auf der Seite The great Pyramid schon getan. Und täglich werden es mehr!
Geplant ist das gigantische Projekt für die Mitte Deutschlands: Mitten in die strukturschwache Region von Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt erhoffen sich Unternehmer einen Schub für die örtliche Wirtschaft: Zufahrten müssten gebaut, Hotels und Gaststätten aus dem Boden gestampft werden. Einige Bestattungsunternehmen könnten sich ansiedeln wollen. Man erwartet Gäste und Besucher aus der ganzen Welt: Zum einen bloß Neugierige und Touristen, zum anderen aber auch Angehörige der dort Bestatteten.
Doch von allen diesen hochfliegenden Plänen sind die Anwohner vor Ort alles andere als begeistert, liegt doch in der Nähe der geplanten großen Pyramide das Gartenreich Wörlitz, eine mit dem Titel „Weltkulturerbe“ ausgezeichnetes, einzigartiges Parkdenkmal mit einem klassizistischen Herrenhaus. Eine Nachbarschaft, die nicht recht passen will – obwohl man sich durchaus vorstellen kann, dass beide Einrichtungen von den aus aller Welt einsetzenden Besucherströmen profitieren können. Außerdem glauben die Einwohner Dessaus, dass der kulturelle Ruf der Stadt, der durch das „Bauhaus“ begründet wurde, durch eine Verbindung zu einem Riesenkolumbarium Schaden nehmen könnte.
Der Hauptvorwurf gegen die Projektleiter, neben dem Architekten Rem Kohlhaas sind dies
lautet: Hier soll doch bloß ein Geschäft gemacht werden. Und in der Tat ist die Bestattung in einem Stein der über die Jahre wachsenden Pyramide kaum billiger als eine gewöhnliche Urnenbeisetzung auf einem Friedhof: rund 700 Euro soll allein das Anbringen einer Gedenkplatte kosten. Das Land Sachsen-Anhalt hat bereits 89.000 Euro Steuergelder für eine Anschubfinanzierung locker gemacht.
Glaubt man den Planungen, so soll die Pyramide mit einer Höhe von über 500 Metern das bisher zweithöchste Gebäude der Welt, das Taipeh Financial Centre, in den Schatten stellen. Damit wäre es eines der größten Bauwerke von Menschenhand, das schon allein durch diese Tatsache Aufsehen erregt. Ähnlich wie von den phantastischen Bauprojekten in den Golfstaaten, von denen eine gewaltige Anziehungskraft ausgeht, erwarten die Projektleiter eine ähnliche Strahlkraft auch von der großen Pyramide: Es ist die Vision, es ist die Größe und die Einzigartigkeit des Projektes, die den Ruf Deutschlands als eines innovativen und kreativen Landes neu begründen helfen soll.
Haben Sie weitere Fragen? Besuchen Sie unsere Rubrik "Häufige Fragen".