Begleitung bis zum Tod

Ein Interview

Begleitung bis zum Tod

Am Ende des Lebens steht der Tod. Ein Thema das in unserer Gesellschaft lange tabuisiert wurde. Doch in den letzten Jahren hat sich viel verändert: Ein neues Bewusstsein im Umgang mit dem Tod ist entstanden. Dazu hat das Hospizwesen in Deutschland maßgeblich beigetragen. Wir haben für Sie einen Experten befragt: Was leistet ein Hospiz wirklich? Was macht eine solche Einrichtung aus und worauf sollte bei der Auswahl eines Hospiz geachtet werden?

Menschen suchen verstärkt nach Tiefe im Leben

Für den Leiter des Hamburger Hospiz im Helenenstift Kai Puhlmann ist klar, der Umgang mit dem Thema Tod hat sich in letzten zehn Jahren grundlegend geändert. Die Menschen seien heute viel offener geworden und konfrontieren sich mit dem Thema Tod. „Früher wäre das undenkbar gewesen“, erklärt der Klinikleiter. Die Ursache ist ebenso schlicht wie offensichtlich für Puhlmann: „Die Menschen merken, dass Geld, Jugend und Erfolg nicht alles im Leben ist.“ Seit längerem beobachte der Leiter der Klinik eine verstärkte Sehnsucht nach tieferen und bleibenden Werten, das Streben sich zu „Vervollkommnen“. Nicht nur bei den Sterbenden selbst, sondern ebenso bei vielen ehrenamtlich engagierten Menschen.

Die Betreuung in einem Hospiz ist umfassend. Sie gliedert sich in die pflegerische Versorgung, die psychosoziale Begleitung und die medizinische Betreuung.

Im Hospiz Helenenstift gibt es für jeden Zuständigkeitsbereich passendes Fachpersonal. Für die psychosoziale Begleitung stehen eine Psychologin und eine Sozialpädagogin zur Verfügung. Das Betreuungsangebot richtet sich auch an die Angehörigen und Freunde aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen.

Leiden minimieren durch Palliativmedizin

Im Rahmen der sterbebegleitenden Medizin, der sogenannten Palliativmedizin, die den Fokus darauf legt, die Schmerzen des Gastes soweit möglich abzustellen, arbeitet die Klinik eng mit einer Praxis und vier Hausärzten zusammen. Zweimal in der Woche kommen die Ärzte zur Visite in die Klinik. Für spezielle Fälle können jederzeit Fachärzte konsultiert werden. Der Wille und die individuellen Wünsche des Gastes sind im Hospiz Priorität bei der medizinischen Begleitung.

Doch der Schwerpunkt eines Hospiz liegt nicht in der medizinischen Betreuung allein. Es geht darum, den einzelnen Menschen so gut es geht, bis zum Ende zu geleiten. Oftmals ist das gar nicht so einfach, denn jeder Gast hat sehr individuelle Vorstellungen von diesem Weg. Deswegen legt das Hospiz einen weiteren Akzent auf spirituelle und seelsorgerische Angebote. Kai Puhlmann erklärt dazu: „Wir wollen hier keine Antworten geben, sondern unterstützen unsere Gäste darin, ihre eigenen Antworten auf ihre Fragen zu finden.“

Unterstützung auf dem eigenen Weg

„Wer ein geeignetes Hospiz sucht, sollte sich rechtzeitig darum kümmern“, empfiehlt der Klinikleiter. Daneben gilt es zu prüfen, welche medizinischen, psychosozialen und darüber hinausgehenden Leistungen ein Hospiz anzubieten. Je nach privater, kirchlicher oder gemeinnütziger Trägerschaft variiert das Leistungsspektrum, aber auch die Philosophie einer solchen Einrichtung.

„Selbstbestimmung und Lebensqualität“ sind für Puhlmann die beiden Schlagworte, die das Hospizleben im Helenenstift in seinen wichtigsten Wesenszügen umschreiben. Das genau ist es, was man dem Gast vermitteln möchte. Und es ist auch der Ort, wo Raum bleibt um das Ungreifbare greifbar zu machen. Die Endlichkeit zu spüren und dabei umso intensiver den Moment zu leben.

Oftmals wird ein Hospiz zunächst von den Betroffenen skeptisch wahrgenommen. Meist ist es eine gesundheitliche Notlage, die einen Hospizaufenthalt nötig macht. „Die Erwartungen mit denen die Gäste hierher kommen sind sehr unterschiedlich“, erklärt der Leiter. Allgemein würde das Hospiz aber von den Betroffenen als Gegensatz erlebt, zwischen einem Warten auf das Sterben und einem Ort an dem alles gut wird.

Das Leben neu entdecken

„Die Spannweite möglicher Projektionen ist weit und doch oder vielleicht gerade deswegen ist das Hospiz ein Ort, an dem man wider erwarten auch das Leben und nicht nur den Tod treffen kann“, erklärt Herr Puhlmann zum Ende des Interviews.

Ein schöner abschließender Gedanke, der Mut und Hoffnung geben soll das Ursprüngliche zu erleben und im Hospiz eine neue, vielleicht bislang unbekannte Wertigkeit zu erfahren.

Interview: Katharina Enneking

Haben Sie bereits Erfahrungen mit einem Hospiz gemacht? Haben Sie einen ihnen nahen, lieben Menschen einmal in einem Hospiz begleitet? Oder überlegen Sie vielleicht ob ein Hospiz für Sie oder auch einen Menschen aus ihrem Umfeld einmal ein möglicher Weg für den letzten Abschnitt im Leben sein könnte? Sprechen Sie mit uns über Ihre Erfahrungen und finden Sie in unserem Forum Menschen, mit denen Sie sich über Ängste, Zweifel und persönliche Erfahrungen austauschen können.

Weiterführende Links zum Thema Hospiz:

Grundinformationen zum Thema Hospiz

Deutsche Hospiz Stiftung

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