Privat Versicherte sind mit den Leistungen ihrer privaten Krankenkasse wesentlich zufriedener als gesetzlich Versicherte mit den gesetzlichen Krankenkassen. Das ermittelte kürzlich das Umfrageinstitut „Forschungsgruppe Wahlen“ im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Für einen Wechsel in die PKV spricht offensichtlich viel. Doch ob er sich immer lohnt? Die wichtigsten Antworten:
In Zahlen: 90 Prozent der privat Versicherten gaben an, zufrieden zu sein - bei den gesetzlich Versicherten waren es nur 75 Prozent. Kein Wunder: Zweiklassen-Medizin ist für viele Bürger längst bittere Realität. Kassenpatienten warten länger auf Facharzttermine und müssen sich viel häufiger um Kostenübernahme streiten.
Sind privat Versicherte besser versorgt?
In vielen Fällen genießen sie wesentliche Vorzüge: PKV-Versicherte bekommen schneller einen Termin beim Facharzt, je nach Tarif können sie auch Leistungen (z.B. für Heilpraktiker) in Anspruch nehmen, die in der gesetzlichen Krankenkasse undenkbar sind. Allerdings setzt der Kostendruck im Gesundheitswesen langfristig auch den Privatkassen zu: So registrierte Dr. Helmut Müller, der Ombudsmann der privaten Kranken- und Pflegeversicherung, für 2008 einen Anstieg der Beschwerden von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung ist das aber immer noch wenig.
Wer kann sich noch privat versichern?
Der Wechsel in die PKV wurde durch die letzte Gesundheitsreform erschwert. Arbeitnehmer dürfen sich nur noch dann privat krankenversichern, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen drei Jahre hintereinander die Pflichtgrenze von derzeit 48.600 Euro übersteigt – das entspricht einem Bruttogehalt von 4.050 Euro im Monat. Für Freiberufler, Selbstständige und Beamte gilt diese Begrenzung allerdings nicht.
Für wen lohnt sich ein Wechsel in die PKV?
Auf jeden Fall für Beamte, denn der Staat zahlt ihnen Zuschuss zur Krankenversicherung. Auch junge, gesunde Singles ohne Familie können bei einem Wechsel sehr viel Geld sparen. Alle anderen, vor allem Familien mit Kindern, sollten kalkulieren, ob sie sich die sehr guten Leistungen der privaten Krankenkasse auch auf Dauer leisten können. Doch auch für diese Zielgruppe findet man mit Hilfe von Vergleichsrechnern garantiert einen Tarif mit hervorragendem Preis-Leistungsverhältnis. Experten fanden heraus: Selbst gute und günstige Privattarife bieten wesentlich mehr als eine vergleichbare gesetzliche Krankenversicherung.
Werden die Beiträge für die private Krankenversicherung langfristig steigen?
Ja, aber wahrscheinlich auch nicht mehr als die gesetzliche Versicherung. Schon seit fünf Jahren musste fast jeder zweite privat Krankenversicherte jährliche Beitragssteigerungen von bis zu 10 Prozent verkraften, ermittelte der Bund der Versicherten.
Befürchtet wurde außerdem, dass die Einführung des neuen Basistarifs zu weiteren Kostensteigerungen führt – da aber viel weniger Versicherte als ursprünglich erwartet diese Option bisher wählten, blieb die Kostenexplosion bisher aus. Trotzdem stehen private Krankenversicherer unter finanziellem Druck, wie PKV-Direktor Volker Leienbach kürzlich zugab: „Wir haben ein Kostenproblem, keine Frage.“ Grund sei die hervorragende medizinische Qualität: Während die gesetzlichen Kassen Kostendämpfung betrieben, hätten die Privaten nur wenig Mittel, um auf Qualität, Mengen und Preise Einfluss nehmen zu können. Verschwendungen sollen künftig vermieden werden.
Was überhaupt bringt der Basistarif?
Die Leistungen sind mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar – der Beitrag ist allerdings wesentlich höher: Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Höhe des Beitrages in der privaten Krankenversicherung nämlich nicht abhängig vom Einkommen, sondern vom Umfang der versicherten Leistungen, vom Eintrittsalter und vom Geschlecht. Und das gilt auch für den Basistarif. So genannte Vorerkrankungen bei Versicherungsbeginn spielen im Basistarif jedoch keine Rolle: Individuelle Risikozuschläge werden – anders als sonst in der PKV – nicht erhoben. Das Gesetz gibt als maximale Beitragshöhe den durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV vor (2009 rund 570 Euro pro Monat). Mehr muss ein Versicherter im Basistarif nicht bezahlen – bis zu dieser Höhe zahlt er aber auch dann, wenn sein Einkommen sinkt.
Muss man Kinder extra versichern?
Sowohl im Basis- wie im Normaltarif gilt: Im Unterschied zur gesetzlichen Krankenversicherung wird für jede versicherte Person ein eigener Beitrag erhoben. Ein Ehepaar zahlt also stets zwei Beiträge (jeweils begrenzt auf den Höchstbeitrag). Auch für Kinder sind gesonderte Beiträge bis zu einer Höchstgrenze von rund 226 Euro zu zahlen – allerdings profitieren auch sie vom 1A-Angebot der privaten Krankenversicherung.
Wie kann man noch sparen?
Spartipp Nummer 1: Tarife vergleichen, zum Beispiel mit Hilfe unseres unabhängigen Vergleichsrechners – er hilft Ihnen, Preis und Leistung Ihrer privaten Krankenversicherung auf Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse anzupassen.
Spartipp Nummer 2: Tarife mit Selbstbehalt wählen. Angestellte sollten allerdings beachten: Nur bei den Beiträgen beteiligt sich der Arbeitgeber mit der Hälfte der Kosten, den Selbstbehalt zahlt allein der Versicherte. Für Angestellte sind deshalb Tarife ohne oder mit nur einem geringen Selbstbehalt meist günstiger.
Spartipp 3: Sie können ihre private Krankenversicherung mit Hilfe frei wählbarer Leistungsbausteine zusammenstellen: So sichern Sie sich je nach Wunsch Extraleistungen im Krankenhaus, beim Zahnarzt, für den Pflegefall oder für längere Krankheiten ab.
Sind Sie vielleicht schon in eine private Krankenkasse gewechselt oder denken Sie über einen Wechsel nach? Welche Erfahrungen haben Sie mit den gesetzlichen und privaten Krankenkassen im Vergleich gemacht? Haben Sie weitere nützliche Tipps, die Ihnen bei der Krankenkassenwahl geholfen haben? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit und tauschen Sie sich in unserem Forum untereinander aus.
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