Die Zahl der Riester-Verträge steigt, weil die Verkäufer der Produkte hohe Provisionen kassieren – finanziert vom Kunden und vom Steuerzahler.
Die Nachfrage nach Riester-Produkten steigt: Immer mehr und auch immer mehr junge Leute sorgen mit staatlicher Hilfe vor und übernehmen Eigenverantwortung für ihre finanzielle Zukunft im Alter. Inzwischen sind es schon fast 12 Millionen Verträge, die im Laufe der letzten Jahre abgeschlossen wurden. Allein zwischen Juli und September 2008 waren es 420.000 Verträge. Die Gesamtzahl aller Riester-Renten liegt damit um 23 Prozent höher als noch 2007.
Der Grund für diese an sich erfreuliche Entwicklung ist jedoch nicht unbedingt in dem plötzlich gewachsenen Interesse der Menschen an ihrer Altersvorsorge zu sehen, sondern im Geschäftssinn der Versicherungen. Mit hohen Prämien halten sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu an, möglichst viele Riester-Verträge abzuschließen.
Denn die Prämien für einen Riester-Verkäufer können sich in der Tat sehen lassen: Für den Abschluss eines vergleichsweise „kleinen“ Vertrages, für den eine junge Frau heute 15 € monatlich für ihre Rente beiseite legt, kassiert der Versicherungsagent stolze 450 € - und zwar unmittelbar nach Abschluss des Vertrages.
Dieses Geld kommt von der jungen Frau, die in den ersten 30 Monaten ihrer Riester-Zahlungen nur eines erreicht: Sie bedient mit ihren Beiträgen den Versicherungsagenten - und nicht ihr eigenes Riester-Sparkonto!
Damit fehlt vielen Kunden in der ersten Vertragszeit die Grundlage, um die für die spätere Rentenauszahlung so wichtigen Zinseszinsen möglichst üppig werden zu lassen. Eine große Lücke tut sich auf – und die Betroffenen sind in aller Regel völlig ahnungslos, wo ihr Geld geblieben ist.
Die Riester-Kunden geben sich der Gewissheit hin, alles für ihren Ruhestand getan zu haben – dabei finanzieren sie dem „kleinen Versicherungsverkäufer“ das hinreichend bekannte Luxusleben. Denn über elf Millionen Riester-Verträge haben einen Milliardenregen auf die Versicherungsbranche niedergehen lassen.
Durch die staatliche Bezuschussung eines Riester-Vertrages in Höhe von steuerfreien 156 € sowie Zuschlägen für Kinder fließen folglich auch Steuergelder in Form von Vertragsprovisionen in die Kassen der Versicherungswirtschaft. Der Gesetzgeber weiß davon und billigt dieses Vorgehen ausdrücklich. Denn: „Die seit 2004 geltenden Regelung, wonach die Abschlusskosten auf mindestens fünf Jahre zu verteilen sind, stellt einen Kompromiss dar zwischen dem Verbraucherschutz und dem staatlichen Interesse an einer möglichst hohen Verbreitung der Riester-Rente, die nur mit einem ausreichend motivierten Vertrieb sichergestellt werden kann.“ So steht es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine entsprechende parlamentarische Anfrage.
Verlangen Sie gezielt einen Riester-Vertrag, bei dem das spätere Rentenvermögen über einen Banksparplan gebildet wird. Banksparpläne sind zwar relativ renditeschwach, bleiben dafür aber von den Turbulenzen der Finanzmärkte weitgehend verschont. Für Banksparpläne fallen kaum Abschlussgebühren an: Ihr Geld bleibt Ihr Geld – garantiert.
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