Auf ein Wort: Altersvorsorge mit Aktienfonds

Auf ein Wort: Altersvorsorge mit Aktienfonds

Mit unserer Serie auf PuroVivo.de möchten wir an dieser Stelle die wesentlichen Möglichkeiten zur Altersvorsorge für unsere Leserinnen und Leser darstellen. Während zu Beginn der Serie ein kurzer Rundumschlag angesichts der Altersvorsorgesituation in Deutschland stand, drehte sich im letzten Artikel anlässlich des Bürgerentlastungsgesetz alles um die Option, die zum Januar dieses Jahres erfolgten Steuerentlastungen nicht in den Konsum, sondern in die betriebliche Vorsorge fließen zu lassen. An dieser Stelle soll nun kurz die Frage, welcher Vorsorgerahmen welche Effekte hat, verlassen und erörtert werden, in welche Anlagevariante man seine Vorsorge investieren sollte. Eins sei vorweg gesagt: auch nach Ostern gilt die Devise, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.

In einer aktuellen Studie fand das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest heraus, dass bei den Deutschen das Sparziel Nummer Eins die Altersvorsorge ist: 67,6 Prozent der Bundesbürger sehen hier die oberste Priorität, was einen Anstieg um 7,3 Prozentpunkte ggb. der Herbstumfrage 2009 bedeute. Die deutschen Altersvorsorgesparer haben dabei lt. Studie ein hohes Sicherheitsbedürfnis und legen zu 40 Prozent ihr Geld in Renten- und Kapitallebensversicherungen an, 22,4 Prozent nutzen die Riesterrente und „lediglich 14,6 Prozent“ legen ihr Geld in Aktien an. Zwar fehlt es hier an Trennschärfe, da auch Riesterrenten aktienorientiert angelegt werden können, aber im Großen und Ganzen spiegeln die Zahlen traditionelle deutsche Anlegervorstellungen wieder: zuallererst Sicherheit.

Sicherheit heißt bei den klassischen Renten- und Kapitallebensversicherung (ob als private Rente, Riester, Rürup oder betriebliche Altersvorsorge) eine Garantieverzinsung von 2,25 Prozent p.a. und darüberhinaus nicht garantierte Überschüsse. Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes Map-Report, berichtet von einer aktuellen Guthabenverzinsung von insgesamt 4,22 Prozent p.a., dem „schlechtesten Wert“ seit Beginn der Aufzeichnungen 1995. Die Ratingagentur Fitch meldet sogar, dass viele Versicherer Probleme haben, derzeit die  ohnehin historisch niedrige Garantieverzinsung von 2,25 Prozent p.a. darzustellen. In diesem Marktumfeld nimmt die Ergo-Versicherungsgruppe mit der Traditionsmarke Victoria ein Unternehmen vom Markt, dass aufgrund seiner unterdurchschnittlichen Renditen kaum noch Neugeschäft gewinnt.

Die bevorzugte Altersvorsorgeform in Deutschland ist also diejenige Variante, die derzeit eine Garantierendite knapp oberhalb der aktuellen Inflation im Euro-Raum bietet – also rechnerisch im wesentlichen einen reinen Kapitalerhalt. Darüber hinaus gibt es noch die nicht garantierten Überschüsse, von deren Gedeihen letztendlich das private Zubrot im Alter abhängt.

Betrachtet man nun den Aktienmarkt als Alternative in der Altersvorsorge, so sind die Grundbedingungen gänzlich andere. Nur bei der fondsgebundenen Riesterrente und der betrieblichen Altersvorsorge gibt es eine Beitragsgarantie (also eine „schwarze Null“), andere Formen sind dagegen meist ohne Garantien. Die Anlage kann dagegen zu 100 Prozent in Aktienfonds erfolgen, während die max. Aktienquote in der klassischen Rentenversicherung per Gesetz bei 35 Prozent liegt und i.d.R. faktisch 4 bis 6 Prozent nicht überschreitet.

Was spricht nun dafür, dass der Vorsorgesparer zum Vorsorgeanleger wird? Oft stellt sich zunächst die bange Frage, ob ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist. Die schlechte Nachricht zuerst: dies kann zumindest nicht völlig ausgeschlossen werden. Sei es durch mangelnde Streuung des Anlagekapitals oder zu spekulative Ausrichtung und gleichzeitig katastrophale Marktsituationen. Die gute Nachricht: bei einer entsprechenden Auswahl bewährter Fondsinstrumente wird dies schon weniger wahrscheinlich. Der Cominvest Fondak, ein deutscher Investmentklassiker, wirbt z.B. mit einer durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung von 10,67 Prozent (Stichtag 01.04.2010) seit Auflage im Jahr 1950. Der Fondak charakterisiert sich selbst als „Aktienfonds für deutsche Standardwerte“, stellt also noch nicht einmal einen Einstieg in eine entschlossene Risikostreuung bzw. die Verteilung der Eier auf verschiedene Körbe dar. Vorzeigbar ist seine Wertentwicklung dennoch.

Deutlich wird aber auch: Aktieninvestments brauchen Zeit. Und Altersvorsorgeanleger heute haben diese Zeit meistens. Der durchschnittliche Berufseinsteiger, dem eine gesetzliche Rente erst mit 67 winkt, hat 40 Jahre Zeit, für sich vorzusorgen. Wagen wir doch einmal den Vergleich. Wer als heute 27jähriger mit Rentenziel 67 jeden Monat 100 Euro zu 4,22 Prozent p.a. anspart, erhält am Ende der Laufzeit ein Kapital von 122.873 Euro. Nehmen wir allerdings eine Rendite von 6,22 Prozent p.a. an, also deutlich weniger als die Fondak-Wertentwicklung, steht am Ende ein Kapital von 202.918 Euro. Ein eindrucksvoller Beleg für den Zinseszinseffekt bei „nur“ zwei Prozentpunkten Unterschied.

Diese Zahlen sollten zumindest ein Anreiz sein, über die Gewichtung seiner Vorsorge nachzudenken. Dem Anleger sollten jedenfalls die Alternativen bewusst sein. Entscheidet er sich für die Aktienorientierung, sollte er freilich verschiedene Fallen vermeiden. Zum einen die des prozyklischen Verhaltens, also des euphorischen Einstiegs in die Märkte in Hochphasen und anschließendem enttäuschten Ausstieg in Tiefphasen. Kaufen und liegenlassen ist viel mehr als nur eine Binsenweisheit. Gleiches gilt für das geflügelte Wort „hin und her macht Tasche leer“. Wer sich um eine ausgewogene Aufteilung seines Kapitals bemüht hat, sollte nicht unnötig oft die Stellschrauben drehen. Und wer sich für die Aktienvariante entscheidet, sollte auch wissen, dass gute Policen eine ausreichende Auswahl an Fonds mit festverzinslichen Wertpapieren bieten und damit die Möglichkeit offerieren, im bestehenden und evtl. staatlich geförderten Vorsorgeprodukt mit zunehmenden Alter die Anlagestruktur zu verändern und auf eine „sanfte Landung" zur Rente vorzubereiten.

Ein letzter Hinweis sei noch erlaubt. Wie eigentlich allen Umfragen und Statistiken zu entnehmen ist, schätzt sich der durchschnittliche Vorsorgesparer als eher konservativ und vorsichtig ein. Dem entspricht aber ohnehin schon der Löwenanteil seiner späteren Vorsorge, da der „Durchschnittsvorsorger“ später eine staatliche Rente oder Pension erhält (bei aller Kritik kann im letztlich doch stabilen Deutschland hier eine gewisse Solidität unterstellt werden) und oft auch mit dem entschuldeten Eigenheim einen konservativen Sachwert besitzt. Wie war das noch? Nicht alle Eier in einen Korb?

Dieser Artikel wurde von unserem PuroVivo.de Finanzexperten Henning Schmidt von dem finanzstrategischen Beratungshaus ad rem private finance GmbH & Co. KG verfasst.