Die Finanzkrise erfasst mit voller Wucht nun auch die Lebensversicherungen: Wegen belasteter Kapitalanlagen können die Versicherungen nicht mehr eine so hohe Verzinsung des ihnen anvertrauten Kapitals anbieten.
In den bunten Prospekten ist die Welt noch in Ordnung: Die Ertragskurven für Lebensversicherungen zeigen steil nach oben, und beeindruckende Tabellen suggerieren dem Kunden, dass er besser als in Lebensversicherungen sein hart verdientes Geld gar nicht anlegen kann.
In Wirklichkeit hat die Finanzkrise auch die Lebensversicherer voll erfasst – mit zum Teil erheblichen Nachteilen für die Kunden, die nun das Nachsehen haben. Wer sich nämlich auf die versprochenen hohen Erträge gefreut hat, könnte sie getäuscht sehen.
Denn da die Versicherer wegen der gegenwärtigen Finanzkrise das ihnen anvertraute Geld nicht mehr so hoch verzinst anlegen können, fallen auch die Erträge schmaler aus – und entsprechend wenig ist es dann, was den Kunden gutgeschrieben wird, nachdem sich die Manager selbstverständlich vorher ihre Bonuszahlungen gesichert haben.
Im letzten Jahr sah die Sache noch völlig anders aus: Da konnte die Versicherungswirtschaft feststellen, dass die durchschnittliche Verzinsung in der Branche erstmals seit zehn Jahren gestiegen war – nicht zuletzt wegen des verantwortungslosen Spekulationsgebarens an den internationalen Börsen.
Wenn eine Versicherungsgesellschaft Geld von ihren Kunden einnimmt, legt sie dieses möglichst gewinnbringend, also hochspekulativ an, nämlich in Aktien, Anleihen und – Immobilien. Diese Werte müssen in der Bilanz selbstverständlich verzeichnet sein, und zwar mit einem bestimmten Wert. Sinkt dieser nun dramatisch, etwa weil die Kurse der Aktien in den Keller rutschen und die Immobilien sich als Schrott-Immobilien herausstellen, entsteht eine „Stille Last“: Die Versicherung muss den Unterschiedsbetrag aus eigenen Mitteln decken. Im Schnitt macht dieser Betrag volle zwei Prozent der Kapitalanlagen aus!
Die Branche rechnet für die kommenden Jahre zwar nicht mit einem Rückgang der Beitragseinnahmen, denn diese sollen nach Angaben des Branchenverbandes GDV mit 165 Milliarden Euro relativ konstant bleiben. Vielmehr wird man sich von Mitarbeitern trennen müssen: Ende 2009 rechnet man nur noch mit 205.000 Beschäftigen in der Versicherungsbranche.
Rechnen Sie damit, dass Ihr Geld nicht den Ertrag bringen wird, der Ihnen heute versprochen wird. Angesichts der aktuellen Konjunkturdaten und der inzwischen amtlich festgestellten Rezession können Sie froh sein, wenn Ihr in einer Lebensversicherung angelegtes Geld nicht von der Inflation aufgezehrt wird.
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